html Die Traumfänger: Interview (mstos)
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Interview für mstos.de (2006)

Das folgende Interview hat Holg mit Eric für www.mstos.de geführt. Es wurde dort von Kerstin veröffentlicht und uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt. 

Von: Kerstin

Wenn man schon die Möglichkeit hat mit einem echten Rockpoeten zu sprechen, warum nicht das Interview mit Poesie beginnen? Das dachte sich auch unser Holg und sich mit seinen Fragen nicht immer bei Eric beliebt gemacht! Aber lest selber: 

Hallo Eric!

Dieses Interview möchte ich mal etwas anders aufbauen. Nämlich mit einer Kurgeschichte:


[Die Letzte Konsequenz...? (von Christian Behrens)

Es war einmal eine kleine Fliege, die flog immer nur in Schnörkeln durch die Welt, nie flog sie geradeaus.

Aber die anderen schimpften mit ihr und sagten: "Du dummes Ding! Du vergeudest deine Kraft! Wähle ein Lohnendes Ziel, sei konsequent und fliege immer darauf Zu, was auch kommen mag!"

Die kleine Fliege hörte sich jedes Wort aufmerksam an, wobei sie ihren winzigen Kopf etwas schief hielt, zögerte noch einen Moment und folg dann geradewegs mitten in ein großes Spinnennetz!]

Ich habe den Eindruck, dass Du schon oft in Schnörkeln geflogen bist und selten denn kürzesten Weg gehst. Hast Du dass schon mal bereut?

Der Eindruck täuscht nicht, allerdings sind diese Umwege oft naturgegeben, weniger ein Resultat konsequenten Wollens.

Würdest Du die Kernaussage des Textes unterschreiben?

Insofern, dass man wesentlich mehr mitbekommt von der Welt wenn man sich umschaut - ja, diese Art der Wegbeschreitung muß ihr Ende aber nicht zwangsläufig in einem Netz finden.

In wie weit ist der wichtig was andere Dir sagen?

Vielleicht nehm ich`s oft sogar zu wichtig, bin aber auf dem besten Wege, mit immer größerem Selbstverständnis, auf meine eigene Meinung zu vertrauen.

Wie gefällt dir der Text - Ich dachte könnte vielleicht gut zum Titel deiner neuen CD passen?

Das sicher, doch wie gesagt, jeder Song auf dieser Platte hat eine positive, Hoffnung machende Schlußwendung....

Ich war vor ca. 7 Jahren auf einem der ersten Eric Konzerte, die außerhalb Potsdam und Umgebung stattfanden. Hättest Du je damit gerechnet, dass sich das Projekt so lange hält und sogar sehr gut bei den Zuschauern ankommt?

Ja, denn schon die ersten Reaktionen auf die, noch recht unbeholfenen, Gehversuche zeigten, dass diese gewisse Direktheit in Tateinheit mit Schlichtheit die Menschen fasziniert.

Am Anfang hattest Du wenn überhaupt immer nur einen oder zwei Gastmusiker mit, die auch heute noch dabei sind. Wie bist Du auf die Aufmerksam geworden. Was gibt es über den Pianisten zu sagen?

Das ist alles ganz natürlich, um nicht zu sagen: schicksalsgegeben, gewachsen, bis hin zu Gerit Hecht, in dem sich nach einer durchzechten Nacht mein Alter Ego offenbarte.

Stelle vielleicht mal die Jungs vor:

Rainer und Uwe stammen aus meiner direkten Umgebung , sind Freunde, und ich kannte sie, lange bevor ich sie in das Projekt holte. Es ist alles eher eine Feeling Sache, weniger der perfekten künstlerischen Ergänzung geschuldet, ich höre da auf meinen Bauch. Mit Gerit arbeite ich inzwischen sehr eng zusammen, auch an Subway Sachen und anderen Projekten. Er tickt beim komponieren und arrangieren auf der absolut gleichen Wellenlänge wie ich.

Seid Ihr mittlerweile eine Band oder sind sie "nur" deine Begleitmusiker?

Das ist schon eine Band.

Bestreitest Du das Songwriting alleine oder helfen Dir deine Kollegen?

Ich schreibe alles selbst, aber vor der endgültigen Fassung gibt natürlich jeder seinen Senf dazu.

Was inspiriert dich zu Deinen Texten?

Alles was ich wahrnehme.

Ist Deine Musik zeitgemäß?

Diese Musik nährt sich vom Hier und Heute.

Wird dir eigentlich nie die Zeit knapp und hast Du noch eigentlich Zeit für Urlaub?

Ja, das ist wirklich eine Krux. Ich liebe es, mit meiner Familie in Norwegen die Berge unsicher zu machen, kann mich aber kaum noch an das letzte Mal erinnern.

Ich habe den Eindruck, dass Subway immer härter und düsterer wird, ist das Soloprojekt für dich der krasse Kontrast zu STS?

Härter und düsterer? Würde ich so nicht unterschreiben. Der Kontrast besteht eher im Unterschied des Ganzen Drumherums, in der Intimität, die ich auf den Solokonzerten vorfinde und die bei 2000 Leuten in einer Halle natürlich nicht gegeben ist. Und diesen Kontrast suche ich.

Am Anfang kamen zu deinen Solokonzerten doch eher Subway Fans, die den Sänger live sehen wollten. Aber mittlerweile habe ich den Eindruck, dass das Publikum immer gemischter wird, und man auch Leute sind, die man eher auf einem Hannes Wader oder Crosby, Stills & Nash Konzert oder auch Leute, die man eher auf Treffen der anomyen Vegetarier trifft. Erfüllt Dich dass ein wenig mit Stolz, dass auch andere Leute außer nur Subway Fans zu den Shows kommen?

Ich war immer sicher, dass diese Solo Kiste ihr Publikum finden würde. Stolz bin ich vor allem darauf, es geschafft zu haben, eine völlig neue Konzertmentalität mit diesem Publikum kreirt zu haben. Ist doch Wahnsinn dass sich Leute 4 Stunden tatsächlich mit uns und unserer Musik beschäftigen!

Findest Du dass nicht auch erstaunlich, dass oft härtestesten Headbanger stundenlang auf den Boden sitzen, deine Musik genießen und nachher zu dir sagen, du hättest Sie berührt?

Genau das meine ich.

Deine Konzerte sind meist vier Stunden oder länger, ist es nicht anstrengend immer so lange zu spielen?

Sicher, aber das war ja nie geplant sondern hat sich aus der Lust heraus so entwickelt. Auf längeren Touren muß ich aber aufpassen, dass ich mir die Stimme nicht kaputt mache, da darf auch niemand böse sein, wenn es mal "nur" drei Stunden werden.

Nun zu deiner neuen CD. Der erste Song hat mich ein wenig an deine alte Nummer "Sag´s" erinnert. Denkst Du, dass man mit solchen Texten überhaupt noch Leute aufwecken kann. Oder sind wir nicht alle zu sehr abgestumpft?

Da möchte ich Gundi zitieren: "..aber mit nem Lied fang` ich erstmal an!"

Ich habe den Eindruck, dass deine Songs ein wenig ernster und melancholischer wirken oder liege ich damit falsch?

Ich denke schon, dass ich mich textlich und musikalisch weiterentwickelt habe, wahrscheinlich mündet das in einer noch größeren Ernsthaftigkeit.

Was für eine Story steckt hinter den Zocker?

Ich sehe ständig voller Unverständnis auf Leute, die ihre Kohle in diese blinkenden Automaten schmeißen, in der sinnlosen Hoffnung, zu gewinnen.

Was wolltest Du mit dem Titel "Schmutz zum Ausdruck bringen?

Zum Teil läuft der Song sicher unter "Scherzartikel", allerdings hat man auf jeder Ebene des Lebens mehr davon, wenn man seine Hemmungen über Bord wirft.

Mittlerweile habe ich den Eindruck, dass man in deiner Musik auch immer mehr Countrymusicelemente raus hört, liege ich damit richtig. Wie stehst Du zur Countrymusic?

Sehe ich nicht so und ich steh auch nicht drauf.

Obwohl ihr mittlerweile genug eigene Songs habt, covert ihr live immer noch viel. Macht es Dir einfach Spaß Musik auch von anderen zu spielen?

Es macht vor allem Spaß, dem Publikum bekannte Songs in einem völlig neuem Gewand vorzuspielen, oder auch ganz alte, unbekannte aber wunderschöne Lieder auszubuddeln.

Wie sucht Ihr Euch die Coversionen raus?

Nach Gefühl, wir müssen alle angezeckt sein von einer Idee.

Live finde ich immer den Weep Song sehr fesselnd, woher kommt dieser eigentlich?

Eine Gothic - Legende: Nick Cave, Text und Musik im absoluten Gleichschritt!

Würdest Du gerne mal mit einem Liedermacher live auftreten und wenn ja mit welchen?

Ach da gibt es ne Menge alter Vorbilder die ich alle mal sehr bewundert habe, es aber aktuell nur noch bedingt tue. Der einzige mit dem ich das gerne machen würde ist leider schon tot: Gerhardt Gundermann.

Beim letzten Konzert ist mir aufgefallen, dass Du auf den Dudelsack verzichtet hast, warum?

Das ist eine prinzipielle Frage, dieses Instrument ist inzwischen geradezu inflationär auf deutschen Bühnen, ich brauche das nicht.

Welche Frage würdest Du Dir selber stellen?

Warum müssen Journalisten am Schluß immer so etwas fragen? Weil sie Angst haben, etwas vergessen zu haben?

Nee, weil wir es einfach spannend finden zu sehen, wie Ihr Musiker auf doofe Fragen reagiert. Aber kommen wir nun zu den finalen Worten:

It`s a long Way to the Top


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