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Interview 2005

Vor dem Konzert in Trier am 15.01.2005 hatten wir Gelegenheit mit Uwe das folgende Interview zu führen:

Wie lange machst du schon Musik?


Uwe: Angefangen habe ich 1989, nach dem Mauerfall, da hab' ich meinen ersten Bass gekauft. Ich wollte immer Musik machen, aber das war damals nicht so einfach in der DDR, also musste ich warten, bis die Mauer fällt, weil ja kein Geld da war. Die Instrumente waren sehr teuer und alles. Und dann hab' ich '91 meine erste Gitarre gekauft und meine erste Band gegründet.


Und was für eine?

Uwe: Ach, so 'ne Uwe Portrait Schwachsinnsband, wo man Krach gemacht hat, die ersten Erfahrungen gemacht hat, die ersten Griffe gelernt hat und sowas halt.

In was für Bands hast du denn alles gespielt?


Uwe: Dessenseless, Temple of North, das waren die ersten. Promille Boys, die war ganz witzig, war halt 'ne Partyband, ein bisschen punkig. Dann noch Grenztanz und natürlich Eric Fish.


Und welche der Bands hat dich am meisten geprägt oder ist am wichtigsten für dich?


Uwe: Na eigentlich alle auf verschiedene Weise. Also, die Promille Boys Zeit, da hab' ich ja sehr viel erlebt, partymäßig. Ich habe sehr viele Leute kennen gelernt, viele Erfahrungen gesammelt, sowohl positive, als auch negative. Weitergebracht hat mich Erics Projekt. Er hat mich ein bisschen gefördert, mit dem Gesang, ich habe andere Musik kennen gelernt, ich hab' ja früher nur Hardrock gespielt. Jetzt mach' ich Liedermacher-Musik und das macht mir sogar Spaß. 


Würdest du es auch als dein "Lieblingsprojekt" bezeichnen?

Uwe: (überlegt) Wie gesagt, es sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Ich brauch' Erics Musik sehr, weil das ist was für die Seele, da kann ich mich entspannen und das ist sehr beruhigend und das andere brauch' ich, wenn ich ausrasten will und Frust ablassen muss. Die gibt's ja auch, solche Tage und deswegen brauch' ich beides! Ich könnte auf keins der beiden verzichten.


Du hast ja einige Tattoos, wie viele sind es insgesamt? 

Uwe: (lacht) Die hab ich doch neulich schon mal gezählt, ich glaube, es sind 11. Es werden aber noch mehr!


Und was für Bedeutungen haben deine Tattoos für dich? 

Uwe: Es sind Lebensabschnitte. Immer wenn ich was erlebt hab' und dann einen Schlussstrich gezogen habe oder wenn etwas neu angefangen hat, habe ich mich tätowieren lassen.


Welches war dein erstes und welches dein letztes Tattoo und was hat da angefangen bzw. aufgehört?

Uwe: Mein erstes ist die Gitarre, für 180 DM. (lacht) Mehr hatte ich nicht dabei, sonst wäre es größer geworden, aber ich wollte unbedingt ein Tattoo haben. Das war beim Biker-Festival, da haben wir damals gespielt. Und das neueste ist der Notenschlüssel am Unterarm. Die Gitarre war der Anfang von den Promille Boys, das war unser erstes Konzert und somit auch der Anfang meiner Musikkarriere. Und der Notenschlüssel ist sozusagen die Erweiterung davon, dass ich es geschafft habe, besser zu werden. 


Du spielst Bass, Gitarre und du kannst singen.

Uwe: (fällt mir lachend ins Wort) Ich kann nicht singen!

Doch kannst du! Machst du davon etwas am liebsten? 

Uwe: Gitarre! 

Und warum?

Uwe: Da kann ich meinen Gedanken freien Lauf geben und abschalten. Es entspannt mich völlig! Dann gehen alle schlechten Gedanken weg und ich bin in meiner eigenen Welt. Mehr aber die Akustik-Gitarre, nicht mal die E-Gitarre, die Akustik!

Wie ist es mit dem Songs, schreibt ihr die zusammen, oder nur Eric?

Uwe: Die schreibt alle Eric. Man kann da Ideen mit reinbringen, aber grundsätzlich macht er alles fertig für uns. Also, wir bringen auch mal Songs mit; z.B. " Joker", den hat Rainer mitgebracht, "Otherside" kam von mir. Eric hat sie dann auf seine Art und Weise umgearbeitet. Manchmal geben wir alle unser Zeug dazu, aber den größten Teil macht zu 90... oder sogar 99% Eric.


Und findest du es gut so, oder würdest du gerne mehr von dir einbringen?

Uwe: Oh, die Frage ist schwer, da muss ich erst mal nachdenken. Ich habe viele Melodien im Kopf, ich bin ja Komponist und ich kann viele Sachen bei Grenztanz nicht umsetzen. Und es wär' schon schön, wenn ich die einbringen könnte. Naja, er sagt ja auch immer: "Ja, den Song würde ich nehmen und den machen wir auch." aber bis heute hat er's nicht gemacht. Aber es ist für ihn auch schwer, weil er hat den Text im Kopf und dazu die Melodie, da brauch er ja meine Noten nicht. Aber eigentlich ist es gut so, wie es ist! ..weil ich brauch die Melodien für mich wahrscheinlich auch noch mal irgendwann. 


Nach welchen Kriterien sucht ihr die Lieder aus, die ihr covert?

Uwe: Sie müssen für jeden eine Bedeutung haben, irgendwie in Verbindung gebracht werden zu früher, dass wir 'ne schöne Zeit hatten oder sie dich geprägt haben. Zum Beispiel ist es bei Rainer Bob Dylan oder bei Eric Crosby, Still & Nash. Ich war ja eigentlich immer mehr in der Metalszene, und außerdem Doors-Freak. Ich hab das alles erst durch Eric kennen gelernt. "Find the Coast of Freedom" - den Song kannte ich ja nicht mal im Orginal. "Cathedral" kenn' ich immer noch nicht. Kenne da nur unsere Version. Das ist schön, also, wie so'n eigener Song.

Ihr seid ja so oft wie möglich auf Tour, da erlebt man sicher einiges; was war dein lustigstes, dein peinlichstes und dein traurigstes Erlebnis auf Tour?

UweUwe: Oh, da gibt's ja Säcke voll! Mit Eric kann man viel Scheiße bauen, gerade abends an der Tankstelle. Dann lässt er ab und zu 'ne Bockwurst mitgehen, oder so, das ist der Hammer. Und wir kriegen viele Lachanfälle auf der Bühne, gerade ich und dann ziehe ich Eric noch mit rein und dann liegen wir manchmal 'ne viertel Stunde auf dem Boden, wie in Osnabrück. Es sind immer irgendwelche Szenen da, bei denen man sich beölen kann. Zum Beispiel als ich meine Allergie hatte, in Osnabrück, da sah ich aus wie ein Frosch, wir haben uns totgelacht darüber. Und seit Gerit dabei ist, ist es immer lustig; er bringt immer irgendwelche Sprüche, aber so spezielle Sachen gibt es glaub ich nicht.

Peinlich war es eigentlich, als wir in irgendeinen Hotel gebucht wurden und da war keine Sau. Also 6-7 Leute waren da und wir wussten gar nicht, was wir machen sollten! Wir haben dann einfach unsere Gitarren genommen und nicht angeschlossen und für diese 7 Leute da gespielt. Und das war wieder gut, es hat Spaß gemacht. Wenn du dann dabei warst, war's okay. Aber am Anfang dachte man schon "Scheiße, scheiße, was machst'n jetzt?", auch dem Veranstalter gegenüber aber im Endeffekt hat sich rausgestellt, dass wir gar nichts dafür konnten. Es wurde falsch gebucht und zeitgleich waren auch die Lokalmatadore in der Stadt, so dass keiner kam. Aber naja, jetzt zum Beispiel ist wieder ein gutes Erlebnis, dass die Platte so erfolgreich ist und dass sehr viele Leute kommen, dass heute ausverkauft ist, dass gute Laune herrscht und deswegen ist`s 'ne schöne Zeit!

Dann gab es kein trauriges Erlebnis?

Uwe: Doch! Der Ausstieg meinerseits. Das war beschissen, aber ich bin ja wieder dabei! (glücklicherweise)

Wie kannst du mit Kritik umgehen?

Uwe: Kritik ist für mich sehr wichtig, weil ich ja aus Kritiken lerne, ich brauch' die schon. Ich will nicht hören: "Du bist ein guter Sänger!" Ich weiß selber, wie gut oder wie schlecht ich bin, da will ich lieber hören: "Ey, du hast Kacke gespielt!" oder "Der Song ist Kacke, den du gemacht hast!" oder irgendwie sowas. Die Fehler sollte man mir schon sagen, denn daraus lern' ich und dann versuche ich es zu bereinigen. Ich bin nicht so 'n Typ: "Ey, du hast ja keine Ahnung!" - bin ich absolut nicht, weil das sehen ja andere Leute immer anders.

Könnt ihr vier euch auch untereinander die Meinung sagen?

Uwe: Ja! Ja, können wir schon. Also, wie haben's jetzt sein lassen, nach einem Konzert gleich zu diskutieren. Wir entspannen uns jetzt erstmal nach einem Konzert und lassen es wirken und dann reden wir am nächsten Tag darüber und das klappt auch.

Was habt ihr für Gefühle, wenn ihr auf der Bühne seid, bzw. wenn ihr wieder runter geht?

Uwe: Davor ist ein beschissenes Gefühl (lacht) weil man ja immer nicht weiß, wie's Konzert wird, wie die Leute drauf sind und so. Wenn du drauf bist, beim Intro, ist es noch Scheiße und wenn das dann fertig ist, dann ist alles cool und realxed und dann mach ich gern das Konzert und versuch einfach nur meinen Spaß zu haben. Allerdings seh ich die Leute immer nicht so gut wegen dem Licht, immer nur die ersten zwei Reihen; ich würde gerne mal mehr Leute sehen. Wenn wir von der Bühne runterkommen, dieses Gefühl kann man einfach nicht beschreiben.


Wie schafft ihr es, auf der Bühne so gelöst zu wirken? So eine Tour ist ja sicher auch mit sehr viel Stress verbunden?

Uwe: Naja, wie gesagt, man lockert ja nach dem ersten Song auf und wenn man dann die Fans auf seiner Seite hat, ist eigentlich nur schön, dann macht alles Spass. Warum sollten wir auch 'ne Fresse ziehen, wir haben ja Spass daran, und das sieht man hoffentlich.

Habt ihr ein bestimmtes "Trainingsprogramm" um euch auf Tour fit zu halten?

Uwe: Ich sollte jetzt mal anfangen, glaub ich!? (allgemeines Lachen in der Runde) weil ich immer der bin, der am meisten krank ist. Der immer krank ist. Deswegen hab' ich mir für dieses Jahr fest vorgenommen, gesünder zu leben. Die Anderen sind immer gesund und ich weiß auch nicht, was die machen; ich bin der, der nicht trinkt und bin immer krank. Aber das soll sich ja ändern!

Erkennt ihr Fans wieder, wenn ihr se schon mal auf einem Konzert gesehen habt?

Uwe: Ja, sicherlich!

Und freut ihr euch darüber oder hättet ihr lieber ein wechselndes Publikum?

Uwe: Das freut mich eigentlich. Ich bin immer total überrascht, von wo die kommen und wie weit sie fahren um uns zu sehen. Das ist unglaublich, da zieh' ich echt den Hut vor und da freu ich mich natürlich auch! Da sieht man, dass wir gut ankommen als Band. Das schätz' ich sehr.

Viele Musiker haben Vorbilder, wie ist das bei dir? 

Uwe: Ich bin ja schon ein bisschen älter. Früher hatte ich natürlich Vorbilder aber jetzt nicht mehr so. Ich schätze sehr viel Leute oder bewundere sie. Zum Beispiel Ingo Hampf (Gitarrist und Komponist von Subway to Sally, wo Uwe als Backliner arbeitet) bewundere ich sehr und auch Eric für seine Energie, für sein Durchhaltevermögen. Der Typ ist echt krass; ich hab auch schon erlebt, er hatte total Fieber und tobte trotzdem auf der Bühne. So was beeindruckt mich halt, solche Menschen. Beeindruckend sind immer noch die Doors, das ist einfach zeitlos. Ich hör die heute immer noch.

Und die musikalischen Einflüsse?

Uwe: Angefangen Uwe gruebelnd habe ich mit sechs Jahren, man kann es kaum glauben! also ich war sechs und hab ein Bild gesehen von KISS und die hatten so lange Haare und alles sah so genial aus. Ich war totaler KISS-Fan, ohne je von denen ein Lied gehört zu haben. Dann hörte ich den ersten Song "I was made for loving you". Ich war stinkenttäuscht, aber ich war immer noch KISS-Fan danach. Und dann kamen die ersten großen Bands: Metallica, Kreator, voll der Trash eigentlich, also das ging so von elf bis 1989 - nur Metal, voll Trash. Und dann kam Dimple Minds, das war so die Suffzeit, Böhse Onkelz hab ich viel gehört, hör ich immer noch, allerdings erst ab dem Album "Heilige Lieder". Neil Young fand ich dann auf einmal gut, aber heut kann ich ihn nicht mehr hören, weil der hat 'ne furchtbare Stimme, aber er hat auf 'ne geile Art Songs gemacht. Und ansonsten hat sich viel geändert. Seit ich diese Musik mache mit Eric bin ich vielseitiger geworden. Ich hör' mir vieles an, nicht so von wegen "Das ist ja Pop, das hör ich nicht!" sondern wenn's gut gemacht ist oder schöne Melodien hat, dann hör' ich das. Also keinen bestimmten Bands.

Guckst du dir MTV an, hörst du Radio?

Uwe: Radio hör' ich gar nicht und auf VIVA guck ich immer "Hells Kitchen" das ist so 'ne Metalsendung, die zieh ich mir rein und schau', was so alles Neues auf dem Markt ist. Sehr viel Schrott leider, aber naja, es gibt ja noch 'ne Band, die gute Musik macht, und zwar wir! (lacht)

Wird es irgendwann Routine oder sogar langweilig auf Tour?

Uwe: Niemals! Es ist immer wieder aufregend, man macht sich jedes Mal in die Hose, es ist wirklich immer neu. Also, wir haben jetzt schon vor 1000, aber auch vor 6 Leuten gespielt und jetzt spielen wir täglich vor zwischen 150-200 Leuten, und wenn du dann mal einen Gig hast vor 50 Leuten, dann bist du genauso aufgeregt, oder noch aufgeregter! Und da kommst du gar nicht erst zu Langeweile, weil du absolut nervös bist! Es ist wirklich immer etwas anderes.

Könntest du dir vorstellen, irgendeinen anderen Job zu machen?

Uwe: Ich habe jahrelang andere Jobs gemacht. Ich bin eigentlich gelernter Ofensetzer, dann war ich ein paar Jahre auf dem Bau, Kabel gezogen. Dann war ich noch Raumpfleger in einer Akademie, habe im Fahrradladen gearbeitet. '94 hab' ich dann aufgehört, nur noch an meine Musik geglaubt und auf der Strasse gestanden und hier und da gespielt. Ich habe zwar nichts verdient, aber darum ging's ja auch nicht, ich wollte ja Musik machen. Da hab ich Durchhaltevermögen bewiesen und das hat sich dann auch irgendwann bezahlt gemacht, durch Eric und Subway to Sally!

Also würdest du schon sagen, dass du Eric und Subway viel zu verdanken hast?

Uwe: Also ich hab Eric '99 kennen gelernt, und dann wurden wir Freunde und ab da ging's bergauf, wenn man ehrlich ist. Zu verdanken hab ich ihnen sehr viel, klar! Ich hab mir dadurch einen Namen machen können, Grenztanz ist dadurch bekannter geworden und all das. Und das hab' ich in erster Linie Eric zu verdanken. Danke, Eric!!!

Und Dank an dich, für das Interview!!! 


Die Traumfänger


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